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Der Goldfisch Carassius auratus auratus ist eine Zuchtform der asiatischen Silberkarausche Carassius auratus, ein naher Verwandter der europäischen Gewöhnlichen Karausche Carassius carassius. Lange als eine Unterart der Silberkarausche wurde der weit nach Westen vordringende Giebel angesehen, der seit kurzer Zeit aber wieder als eigene Art Carassius gibelio betrachtet wird. Fälschlich wird er bisweilen als Vorfahre des Goldfisches genannt.
Rotgoldene Mutationen der Silberkarausche galten im alten China als heilige Tiere und waren die Ausgangstiere für die Goldfischzucht. Nach alten Überlieferungen gibt es seit ca. 2400 Jahren Goldfische, dies werden aber Beobachtungen wilder goldfarbiger Mutationen sein; keine Haltung oder gar Zucht. Historisch gesichert ist die gezielte Haltung von Goldfischen seit dem 10. Jahrhundert n. Chr. in sogenannten "Gnadenteichen" (ponds of mercy); später überführte man sie dann in Teiche, die aus Gründen der Gefälligkeit und des Zeitvertreibs angelegt wurden.
Die Goldfischhaltung als "Hobby" war anfangs ein Privileg des Hochadels, doch seit dem späten 13. Jahrhundert wurde sie in China allgemein üblich; während der Ming-Dynastie gab es wohl in fast jedem Haushalt Goldfische.
Goldfische waren nach ihrer Einfuhr nach Europa im 17. und 18. Jahrhundert die ersten Zierfische, die die Salons der reichen und vornehmen Leute schmückten. Während heimische Fische als Zierfische ein Schattendasein fristeten, wurden Goldfische erst Ende des 19. Jahrhunderts von Makropoden und nordamerikanischen Sonnenbarschen langsam abgelöst, bevor dann nach dem Zweiten Weltkrieg die vielen tropischen
Zierfische zum aquaristischen Standard wurden.
Außer den verschiedenen Farbrichtungen (Goldfische sind wahrlich nicht immer goldfarben, wie z. B. die beliebten Shubunkins zeigen) haben Chinesen, Koreaner und Japaner auch teilweise grotesk anzusehende Körperformen gezüchtet, die in Europa (insbes. Deutschland) z. T. sehr umstritten sind. (§11b Tierschutzgesetz!)
Übliche Zuchtformen außer dem Normalen Goldfisch sind Shubunkins, Kometenschweife und verschiedene "Schleierschwänze", letztere oft mit Teleskopaugen (z. B. Zuchtform des Black Moor) oder Kopfaufwüchsen (z. B. die Zuchtformen Oranda, Ranchu und Chinesischer Löwenköpf). Pandas, Nymphen, Perlschupper, Himmelsgucker, Blasenaugen; die Liste der verschiedenen Varietäten ist lang, sehr lang ...
Goldfische sind in der Normalform wenig anspruchsvolle Zierfische (die Hochzuchtformen sind teilweise empfindlich und gehören nur in kundige und erfahrene Hände!), ein wesentliches Grundbedürfnis ist allerdings ausreichend Platz! Gerade dieses Bedürfnis wird leider allzu oft nicht erfüllt. Für Goldfische sind richtige und große Aquarien unentbehrlich; Becken mit 100 cm Kantenlänge (mind. 200 Liter) sind die unterste Grenze für bis zu fünf Jungtiere oder drei mittelgroße Fische. Goldfischkugeln, Vasen u. ä. sind Quälerei.
Sehr wohl fühlen sich Goldfische auch im Teich, die gestreckten Formen (Normale Goldfische, Shubunkins, Wakins usw.) lassen sich dort auch überwintern. Mindestgröße für einen Goldfischteich sind 2.000 Liter Inhalt und eine tiefste Stelle von mind. 1 m. Im Teich vermehren sich Goldfische oft stark. Während die Nachzucht im Aquarium etwas knifflig ist (Goldfische sind Laichräuber, und die Jungbrut benötigt ausreichend geeignetes Futter), ist sie im Teich meist problemlos und gelingt ohne Zutun des Pflegers; oft gibt es sogar Übervölkerungsprobleme im Teich.
Hinsichtlich des Futters sind Goldfische vergleichsweise problemlos:
die Allesfresser akzeptieren fast jedes Fischfutter; hochwertig
sollte es dennoch sein! Pflanzliche Kost und Frost- oder Lebendfutter
sollten nicht fehlen. "Schleierschwänze" und andere
gestauchte Zuchtformen sind jedoch keineswegs so problemlos wie
die gestreckten Varietäten: Sie benötigen auf jeden Fall
sehr hochwertiges Futter, welches vor Verfütterung eingeweicht
werden sollte; sie sind mehrmals am Tag mit geringen Mengen zu füttern.
Eine Vermeidung von Trockenfutter und weitgehende Fütterung mit
Lebend- und Forstfutter ist anzuraten; ebenso benötigen sie
ausreichende Mengen pflanzlicher Nahrung (Wasserlinsen, Algen, überbrühter
Salat usw.).
Man sollte sich die Anschaffung von Goldfischen gründich überlegen:
zwar sind sie (mit Ausnahme der Hochzuchtformen) aufgrund ihrer
Genügsamkeit auch bei Anfängern und Kindern geeignete
Pfleglinge, aber ihrem Platzbedürfnis wird selten Rechnung
getragen. Auch entbinden einen die "unkomplizierten" Goldfische
nicht von der Pflicht, ausreichend Kenntnisse der Aquaristik zu
beherrschen. Weiterhin sollte man bedenken, daß Goldfische sehr
alt werden können, nicht jeder "Anfänger" möchte
auch nach Jahrzehnten (als nunmehr "Fortgeschrittener")
immer noch "nur" Goldfische pflegen.
Folgende oft verbreitete Ratschläge sind nach Erfahrung des Verfassers unzutreffend:
Goldfische brauchen eine kräftige Durchlüftung und besonders starke Filterung; Goldfische graben Pflanzen aus oder zerstören sie. Da sie gerne gründeln, ist grober Kies nötig.
Meine Erfahrungen sind dagegen:
Bei vernünftiger Besatzdichte (mind. drei Liter Wasser je cm Fisch; hilfreicher sind 50 bis 100 Liter Wasser pro Goldfisch) ist eine Durchlüftung entbehrlich, ganz "normale" Filterleistung reicht aus. Pflanzen werden nicht ausgegraben, sondern sind wichtiger Teil einer artgerechten Haltung; da Goldfische (je nach Alter und Zuchtform in unterschiedlicher Menge) pflanzlicher Nahrung bedürfen, sollte unbedingt pflanzliche Nahrung angeboten werden. Gerade weil Goldfische sehr gerne gründeln, ist feines Bodenmaterial sinnvoll und artgerecht; das aquaristische Mittel der Wahl ist für Goldfische Sand (Korngröße von 0,3 bis 0,8 mm).
Bilder: Anika Börries, www.prachtschmerle.de;
Text: Nikolai
Mette
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